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In Ruhe spazieren gehen: Münchner Friedhöfe – Der Bogenhausener Friedhof

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Der Bogenhausener Friedhof ist die Puppenstube unter den Münchner Friedhöfen – hier gibt es gerade mal 240 Grabstätten. Die Tram 16 Richtung St. Emmeram fährt zur Haltestelle Sternwartstraße. Von da ist es nur ein kurzes Stück bis zum Bogenhauser Kirchplatz 1 – so die offizielle Adresse des Friedhofs. Die schönere Alternative ist ein Spaziergang entlang der Isar bis zur Max-Joseph-Brücke. Dort führt die Neuberghauser Straße hoch zum Friedhof und der dazugehörigen Kirche.

CIMG1151 (800x600)Es ist ein Idyll, das sich rund um die St.-Georgs-Kirche schmiegt. Begleitet nur von Vogelgezwitscher, in der Nase den Duft der blühenden Bäume und Grabblumen, tippele ich um die Kirche und den Friedhof. Einmal eilt eine Gärtnerin an mir vorbei, ansonsten betrachte ich ungestört und mit Muße die sehr gepflegten Gräber der vielen Prominenten, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Zwar wurde der Friedhof wohl schon im 9. Jahrhundert angelegt und diente als Ruhestätte der alteingesessenen Bogenhausener Familien. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte er sich jedoch zur bevorzugten Begräbnisstätte prominenter Künstler.

Wie zum Beweis finde ich gleich um´s Eck vom Eingang das Grab von Elisabeth Wellano – besser bekannt als Liesl Karlstadt, Partnerin von Karl Valentin.CIMG1161CIMG1158

Wer noch? Neben den Schriftstellern Erich Kästner („Emil und die Detektive“) und Oskar Maria Graf („Das Leben meiner Mutter“) sowie dem Schauspieler Helmut Fischer („Monaco Franze“) liegen hier u.a. Karikaturist Ernst Hürlimann, Filmproduzent Bernd Eichinger sowie Volksschauspieler Walter Sedlmayr. Und Rainer Werner Fassbinder, der erst nach heftigen Auseinandersetzungen beigesetzt werden konnte. Dass ein drogenabhängiger, homosexueller Regisseur in der Nähe des heiligen Georg seine letzte Ruhe fand, war 1982 nicht selbstverständlich.

Was muss man tun – außer berühmt sein – um ein Grab an diesem Zen-Ort zu erhalten?
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Die Stadtverwaltung auf www.muenchen.de klärt auf:
„Grabnutzungsrechte für den Friedhof Bogenhausen können bei einem aktuellen Sterbefall erworben werden. Zusätzlich muss ein durchgängig 30 Jahre langer Hauptwohnsitz der verstorbenen Person zum Zeitpunkt des Todesfalles im Bestattungsbezirk Bogenhausen gegeben sein oder es handelt sich nach Feststellung der Landeshauptstadt München bei der verstorbenen Person um eine besonders bekannte Persönlichkeit, die sich um die Stadt verdient gemacht hat. Es besteht freie Grabwahl, sofern zum jeweiligen Zeitpunkt in der jeweiligen Grabart ein entsprechendes Grab frei ist.“

Und genau die beiden letztgenannten Kriterien sind das Nadelöhr zum Einlass in den Hort der Ruhe. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Januar 2013 ist nämlich nur noch ein einziges Erdgrab frei.

Eins! Das reicht doch nie aus für all die „besonders bekannten Persönlichkeiten, die sich um die Stadt verdient gemacht haben“. Wer sich verdient gemacht hat, entscheidet die Stadt. Also ihr Oberbürgermeister, dem damit in Bogenhausener Friedhofsbelegungs-Fragen eine beinahe absolutistische Rolle zukommt. Und so erzählt man, dass sich werbende Anrufe beim Oberbürgermeister mehren. Im Gegensatz zu In-Lokalen gilt aber: Reserviert wird nicht.

Da lohnt sich eine Auszeit zu Lebzeiten per Friedhofs-Spaziergang viel mehr. Und vielleicht wird ja mal wieder ein Bogenhausener Grab aufgelassen.

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